Wie alles begann …

 

GERALD

Als der damals noch blutjunge Gitarrist Gerald Jude den Punk entdeckte, waren Frauen eigentlich in weiter Ferne. Er hatte nur seine Gitarre, das alte Landser-Messer, mit dem er seine Kleidung zerlegt hatte, um seinen Vorbildern Sid Vicious oder Joe Strummer näher zu sein – und ein Foto: Ursula Andress, wie sie im Bond-Streifen „James Bond jagt Dr. No“ dem Meer entsteigt. Das hat ihn geprägt, das hat ihn verdorben – aber das alles hat auch die Welt verändert. Denn dieser missratene Punk, der wenig später Millionen scheffeln sollte in diversen Werbeagenturen (seiner erster Coup: „3 Tropfen ins Becken und die Hausfrau ist glücklich. PRIL!“), begann wenig später, sämtliche seiner Kreditkarten zu zerschneiden und die Reste dieser Karten als Plektrum bei seinem – heute weiß man das – wegweisenden Gitarrenspiel zu verwenden. 

Meilensteine halt.


Oft sind das ja dann Zufälle. John Lennon & Paul McCartney, Mick Jagger & Keith Richards, Michael Wendler & Laura Müller …  so ganz ohne Zufälle wird ja eh nie Geschichte geschrieben. Und so trifft dieser ohnehin schon vom Leben bestrafte (und von allen – ALLEN – Freunden nebenbei geteerte und gefederte) Gitarrist eines Tages die Entscheidung, dem Punk den Rücken zuzukehren. Die Langeweile. Die Einzelhaft aller Kreativen. Und: er wendet sich der klassischen Musik zu. Wow!

Mit dem Schubert-Evergreen „Leiermann“ verbringt dieser gescholtene Mensch nun seine Tage, verarbeitet seine Erkenntnisse in tagelangen Wanderungen durch das noch unentdeckte Berlin-Neukölln und trifft ebendort seine Muse Beverly – die, netztwerkig absolut auf der Höhe, einen Kerl anschleppt, der, wie sie weiß, nur folgendes beherrscht: Frauen verstehen, genau darunter zu leiden, verflucht gut auszusehen – und das alles in Liedern zu verpacken, die bitteschön weiche Knie hervorrufen. 


 

THORSTEN

Als Thorsten Rheindorf auf Drängen seiner Eltern die lästige Arzt-Lehre endlich hinter sich gebracht hatte, blieb ihm vorerst nur die übliche Ziellosigkeit eines jeden jungen Menschen. Eigentlich blieb nur das Taxifahren, weil ja eben hier die Geschichten erzählt werden, die das Leben schreibt. Aber er macht erstmal: nichts. 20 lange Jahre: nichts. Bis er es satt hatte, am Ende von Partys vor den verbliebenen, meist schon schlafenden Gästen zu spielen. Bis er endlich nicht mehr einsehen wollte, warum all die Mädchen niemals von seinen Liedern erfahren sollten. Bis dann endlich alles in ihm herausschrie, die weißen Blätter sich nach und nach füllte – und fortan wird das Piano zu einem nicht allzu guten Freund, aber immerhin: ein Freund. Ein Jahr Proben mit dem noch fremderen Akkordeon am Ufer des Maybach im viel zu turbulenten Berlin, erste Schritte auf den kleinen Brettern, die aber nach wie vor die Welt bedeuten … und dann: Gerald, der Leiermann und die ersten eigenen Stücke vor fremden Menschen.

JANJA

Den beiden fällt schnell auf: wir brauchen ein Gleichgewicht, wir brauchen ein Regulativ. Das ist es ja, was diese ganzen angeblichen Größen der Pop-Geschichte aus dem Ruder geworfen hat: Frauen, die einen Keil zwischen diese angeblich unzertrennlichen Menschen treiben wollten. Wir aber haben nun keinen Keil gefunden, sondern mit der wunderbaren Janja die bestmögliche Ergänzung (sie will nicht, dass wir hier gleich welche Superlative anbringen. Aber was besseres hätte uns nicht passieren können! Ist so!) Gefühlvoll, zerbrechlich, brutal, schlau, kompliziert, einfach, schön – da haben wir dann doch mal Glück gehabt mit wenigstens dieser einen Frau.

 

BERT

Und manchmal ist das ja in der Musik wie im wahren Leben: alles ist viel zu schnell. (Oder zu langsam, wenn die Gitarre mal eine Pause einlegt.) Ein großes Glück also, dass die Band den Jahresurlaub regelmäßig im niederländischen Miniaturpark Madurodam” verbringt und dort dann im Themen-Bereich “Verrückt nach Käse” einen völlig wahnsinnigen Spielmannszug erblickte. Mittendrin: Bert, der mit nichts als einer kleinen Triangel ein wahres Gewitter an Klängen hervorbrachte. Ein kurzes Gespräch (“Ich hab’ eh nichts vor sonst!”), eine Matratze in den Probenraum – und auf einmal hört sich das alles ganz anders an. Neulich beim ersten Gig mit Bert hat sich sogar jemand bewegt im Publikum, das hatten wir noch nie!

MERAY

Drei Jahre lang ist sie uns auf Schritt und Tritt gefolgt, hat tausende Briefe geschrieben (parfümiert) und klammheimlich bei sämtlichen Konzerten bei Auf- und Abbau geholfen – nur, um eines Tages diesen einen begehrten Platz zu ergattern: jenen zwischen Schlagzeug und Gitarre. Und somit haben die beiden Jungs in der letzten Reihe endlich das, was jedem Mann auf die Dauer gut steht: ein Regulativ. Willkommen bei den Blumen, Meray.


Der Rest ist dann doch eher gewöhnlich: Proben, Straßenmusik, Streitereien übers Tempo einzelner Stücke oder des Geldes wegen, permanente Trennungen, Versöhnungen … und dann endlich: 2020 die erste EP „Es hat nichts mit Dir zu tun“.

Wir werden sehen …